DPRG Akzeptanzkommunikation Düsseldorf 2019Der seit zirka eineinhalb Jahren bestehende DPRG-Arbeitskreis Akzeptanzkommunikation „beflügelte“ bei seinem letzten Treffen am 20. Mai die 22 Teilnehmer. Das lag zum einen am Ort des Treffens, dem Flughafen Düsseldorf (DUS), aber insbesondere auch an dem regen Austausch untereinander. Nachdem der Arbeitskreis im Rahmen seiner vorletzten Sitzung eine gemeinschaftliche Vision und Mission zum Thema Akzeptanzkommunikation erarbeitet hatte, stand nun eine Fortführung des fachlichen Austausches über Theorie und Praxis der Akzeptanzkommunikation auf dem Programm.

Best-Practice-Beispiel

In nun schon bewährter Weise wurde das Treffen durch ein Best-Practice-Beispiel für Akzeptanzkommunikation eröffnet, um, wie Arbeitskreisleiter Ulf Mehner (Geschäftsführer WeichertMehner, Dresden) sagte, „von den Erfahrungen der anderen zu lernen und gleichzeitig konstruktive Hinweise und Ansätze zu geben“. Marcus Schaff, Leiter des Nachbarschaftsbüros des Düsseldorfer Flughafens, und zwei seiner Kollegen berichteten von ihrer täglichen Arbeit. Diese steht unter dem Motto „Düsseldorf Airport im Dialog“ und hat als Hauptzielgruppe die etwa neun Millionen Menschen, die im Umkreis von 50 Kilometern rund um den drittgrößten deutschen Flughafen leben. „Dieses dicht besiedelte Einzugsgebiet ist unser Vor- und Nachteil zugleich“, so Marcus Schaff. Wohngebiete reichen bis nah an den Flughafen heran, weshalb Anwohnerschutz und -information eine große Rolle spielten. „Alles, was bei uns auf dem Flughafen passiert, wird genau beobachtet und hinterfragt“, so Schaff.

Ziel: Nähe, Vertrauen und Verbundenheit schaffen

Seit 2003 gebe es die Abteilung für den Nachbarschaftsdialog am Flughafen. Die tragenden Säulen seien heute die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit. „Unsere Arbeit und Kommunikation sind geprägt von Respekt für den einzelnen Menschen, einer zielstrebigen Zusammenarbeit, Weltoffenheit sowie Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Wir wollen Nähe, Vertrauen und Verbundenheit zwischen der Region/den Menschen und dem Flughafen stetig ausbauen. Dadurch entsteht ein starkes Maß an Identifikation mit dem Flughafen.“

Fakten vermitteln – Diskussion versachlichen

Bei ihrer Arbeit zielen die Nachbarschaftskommunikatoren neben der Herstellung von Nähe darauf ab, frühzeitig Fakten zu vermitteln und potenziell emotionale Diskussionen zu versachlichen. Dafür gibt es vielfältige Angebote: Beginnend bei Flughafenrundfahrten über die Organisation beziehungsweise Teilnahme an Veranstaltungen in der Nachbarschaft, Besuchen mit dem „Infobus“ vor Ort in umliegenden Gemeinden bis hin zu einem Honig- und Bienen-Monitoring. Für letzteres hält der Flughafen sogar eigene Bienen, die er von einem Imker betreuen lässt. Die Qualität des Honigs wird jährlich durch ein unabhängiges Labor getestet und bestätigt. Die Ergebnisse werden veröffentlicht. „Damit lassen sich auch Rückschlüsse die Luftqualität rund um den Flughafen ziehen“, so Schaff. Es waren interessante Anregungen und Impulse, die er den Teilnehmer vermittelte. Die zahlreichen Fragen und die rege Diskussion im Anschluss zeigten den Gesprächsbedarf zum Thema.

Zusammenarbeit Masterstudiengang und DPRG-Arbeitskreis

Weiteres „Wissensfutter“ zu aktuellen Erkenntnissen aus der Forschung zur Akzeptanzkommunikation brachte im Anschluss Felix Krebber, Professor für Unternehmenskommunikation an der Hochschule Pforzheim, in die Debatte ein. „Partizipation ist eine zentrale Erwartung der Menschen im 21. Jahrhundert“, so Krebber. Im Masterstudiengang „Corporate Communication Management“ forschen er und seine Studenten – in Zusammenarbeit mit dem DPRG-Arbeitskreis – zu Akteuren im Feld der Akzeptanzkommunikation, zu den Kriterien, mit denen Beteiligungsmaßnahmen öffentlich bewertet werden, sowie zu den berufsethischen Richtlinien für Partizipation. Erste Ergebnisse seien, „dass es bei den kommunikativen Erwartungen an Beteiligungsprozessen zwei maßgebliche Dimensionen gibt“, so Krebber. Da wäre die ethisch-normative Dimension mit dem Schwerpunkt auf der Wahrhaftigkeit (zum Beispiel ernsthaftes Eingehen auf Vorschläge, Einhalten von Zusagen, Verantwortungsübernahme bei Fehlern, Kompromissbereitschaft etc.). Die zweite Dimension ist die prozedurale mit Themen wie Transparenz, Organisation, Format, Zeitpunkt, Kompetenz, Evaluation und begleitende Projektkommunikation.

Arbeitsgruppen tragen Input zusammen

Den Abschluss des Treffens bildeten zwei Arbeitsgruppen (geleitet von Ulla Herlt, Director Corporate & Public Affairs Hill+Knowlton Strategies GmbH, Berlin und Ulf Mehner), in denen die Teilnehmer gemeinsam sehr rege Input zusammentrugen darüber, welche Kompetenzen und Eigenschaften Experten für Akzeptanzkommunikation verfügen sollten und welche Kriterien für eine „gute Beteiligung“ im Rahmen von Akzeptanzkommunikation wichtig sind.

Fazit: Alles in allem waren die 22 Teilnehmer angetan von der intensiven und zugleich konstruktiven Diskussion und der hohen Qualität der Wissensvermittlung.

Kontakt zum DPRG-Arbeitskreis Akzeptanzkommunikation über:

  • Ulf Mehner, WeichertMehner Unternehmensberatung für Kommunikation GmbH & Co. KG, Telefon: 0351 50 14 02 00, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • Sybille Höhne, Schneider+Partner GmbH, Telefon: 0160 3123972, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Autorin: Anke Richter-Baxendale, WeichertMehner, Dresden 

Titelfoto (v.li.n.re.): Ulf Mehner (WeichertMehner Unternehmensberatung für Kommunikation GmbH & Co. KG, Dresden), Sybille Höhne (Schneider+Partner GmbH, Dresden), Ulla Herlt (Hill+Knowlton Strategies GmbH, Berlin), Prof. Dr. Felix Krebber, (Professor für Unternehmenskommunikation an der Hochschule Pforzheim) und Marcus Schaff (Leiter des Nachbarschaftsbüros des Düsseldorfer Flughafens)