Schindera Philipp 1Die Digitalisierung verändert alles, vor allem die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Der Satz stammt von mir, aus einem Vortrag, der schon zwei Jahre alt ist - er hat aber an Aktualität nichts verloren. Die Anforderungen an Kommunikatoren haben sich grundlegend geändert und werden sich weiter ändern. Wo früher ein Faxgerät reichte (und ganz früher eine Schreibmaschine), muss der Kommunikator der Gegenwart mit der Funktionsweise von vielen verschiedenen Kommunikationskanälen vertraut sein und sie am besten noch rund um die Uhr im Blick behalten, um im Fall der Fälle reagieren zu können.

Damit nicht genug: Neben der Veränderung der Medienlandschaft verändern sich auch die Kommunikationsgewohnheiten dramatisch. Jeder kann kommunizieren und viele tun das auch fleißig. Binnen weniger als einer Minute ist ein Facebook-Account eingerichtet und damit die (theoretische) Möglichkeit, mit einer Community von deutlich über einer Milliarde Menschen zu kommunizieren. Klassische Meinungsbildner verlieren an Einfluss, während Teenager und Fußballer Millionen Follower um sich scharen. Waren früher Druckerzeugnisse das Mittel der Wahl, wenn es um Informationsverbreitung ging, gibt es heute ganze Bevölkerungsgruppen, die sich ausschließlich über Bewegtbild außerhalb des linearen Fernsehens informieren.

Die Anforderungen an die Kommunikatoren haben sich grundlegend geändert und viele fühlen sich überfordert, angesichts der gewaltigen Geschwindigkeit, mit der diese Veränderungswelle über uns hinweg rollt. Das ist einerseits verständlich, andererseits aber wiederum auch nicht. Denn Kommunikatoren waren immer wieder mit Veränderungen konfrontiert. Mitte der Neunziger zum Beispiel, als das Internet aufkam und damit die erste digitale Revolution der Kommunikation. Alles ging plötzlich viel schneller, neben Print und den audiovisuellen Medien musste man auch die Online-Dienste im Blick halten, es tauchten die ersten Blogger auf und auch die Mitarbeiter gaben sich nicht mehr nur mit der Mitarbeiterzeitung zufrieden, das Intranet musste her.

Weitergekommen sind die, die sich auf die Veränderungen eingelassen und eingestellt haben. Die diese als Chance gesehen haben und sie aktiv gestaltet haben. Das gilt auch heute: Ich verstehe nicht, warum so viele Kommunikatoren die Digitalisierung als Bedrohung sehen. Mitarbeiter, die wie selbstverständlich mit der Außenwelt kommunizieren - eine Horrorvorstellung?! Warum? Im Normalfall sind es Mitarbeiter, die ihren Stolz auf die Firma und die Begeisterung für ihr Thema nach draußen tragen wollen und die so einen positiven Beitrag zum Image des Unternehmens beitragen können. Mitarbeiter, die quer über alle Hierarchien und über alle Abteilungsgrenzen unkontrolliert miteinander im firmeneigenen sozialen Netzwerk miteinander kommunizieren können - Zeitverschwendung?! Nein, im Gegenteil, denn so wird Doppelarbeit vermieden und das vorhandene Wissen im Unternehmen besser genutzt. Von Social Media besser die Finger lassen beziehungsweise nicht mehr als nötig machen - der Shitstorm steht schon vor der Tür?! Und darüber die Chancen verpassen, die einem Unternehmen eine „gut gepflegte“ Community bietet, auch und erst recht in Zeiten der Krise?

Sie sehen schon, worauf ich hinaus will: Die Digitalisierung bietet viele Chancen, auch und gerade für uns Kommmunikatoren. Aber man muss sie nutzen, man muss sich die Vorteile erarbeiten und bereit sein, sich auf Veränderungen einzulassen. Dabei helfen Ihnen auch starke Netzwerke, wie die DPRG, denn dank der Digitalisierung war es nie einfacher, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen: Im realen Leben über die vielen Arbeitskreise, über unsere Veranstaltungen wie das Zukunftsforum oder über unsere verbandseigene Plattform Tixxt. Am Ende des Tages gilt ein zweiter Satz von mir, der auch schon zwei Jahre alt ist und ebenso aktuell ist, wie der Eingangssatz: Digitalisierung ist vor allem eines: eine Frage der Haltung.

Philipp Schindera ist Vizepräsident der DPRG und Leiter Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom AG