Lamm ClaraDie Nachwuchsdebatte ist wieder neu entfacht und zeigt, dass das Thema konstant relevant ist und hier nach wie vor keine Einigkeit bzgl. des Wertes der Berufseinsteiger in der PR-Branche besteht. Aktuell wurde das Thema durch den PR-Journal-Artikel von Christiane Schulz angestoßen, in dem sie sich mit eben diesem Wert beschäftigt. Ihrem Artikel folgten zahlreiche Reaktionen aus Wissenschaft und Praxis, von Jung und Alt.

Als Nachwuchsbeauftragte der DPRG bin ich mit Studierenden sowie Young Professionals im Austausch und konnte mir hier ein gutes Bild des aktuellen Nachwuchses machen. Auch ich selbst stehe noch am Anfang meiner Karriere, habe ein Traineeship absolviert und bin jetzt Junior Consultant bei Hill+Knowlton Strategies – vor zwei Jahren habe ich selbst noch Bewerbungen geschrieben und mich bewusst für ein Traineeship in einer Agentur entschieden.

Im Bewerbungsprozess begegneten mir dabei sehr unterschiedliche Angebote – sowohl was Gehalt als auch Dauer und Inhalte des Traineeships anging. Auch wenn Geld natürlich nicht alles ist, muss man auch als Berufseinsteiger angemessen bezahlt werden, denn auch das ist Wertschätzung für die eigene Arbeit. Unstrittig ist dabei, dass Unternehmen höhere Einstiegsgehälter bieten. Dieser Umstand schmerzt Agenturen und lässt Absolventen gerne zu den Unternehmen kommen.

Traineeship zum Mindestlohn drückt keine Wertschätzung aus

Zwei Jahre Traineeship zum Mindestlohn drücken meiner Meinung nach keine angemessene Wertschätzung aus. Doch neben diesen – aus unserer jungen PR-Sicht - schwarzen Schafen gibt es inzwischen auch viele bunte, die positiv aus der Masse hervorstechen und neben einer angemessenen Vergütung auch noch etwas viel wichtigeres bieten: spannende Inhalte und Kundenprojekte, inspirierende Kollegen und die Chance, in kurzer Zeit sowohl durch Training-on-the-job als auch durch feste Weiterbildungen Neues zu lernen.
Agenturen bieten so im Vergleich zu Unternehmen häufig eine steilere Lernkurve und der Berufseinsteiger steigert so seinen Marktwert. Denn natürlich können Berufseinsteiger, die frisch von der Hochschule kommen, nicht alles – aber das können selbst langjährige Seniorberater nicht von sich behaupten! Doch wir sind mit den neuesten Skills und Handwerkszeugen ausgestattet und benutzen diese privat und dienstlich. Wir sind die native speaker des Digitalen.

Der Nachwuchs bringt häufig Berufspraxis mit

Während in den Chefetagen teils über den unselbstständigen Nachwuchs geredet wird, dem man so viel beibringen muss, erlebe ich, dass der aktuelle Nachwuchs selbstbewusst sowie neugierig agiert und häufig schon Berufspraxis mitbringt. Die Studierenden, die einfach nur studieren, ohne sich um die Praxis zu kümmern, erlebe ich hingegen immer seltener.
Eine Hochschule bietet – mag sie noch so viel Praxisbezug haben – keine 1-zu-1-Ausbildung für einen PR-Job, sondern kann die nötigen Grundlagen für diesen bieten. Diese Grundlage sollte von jedem Studierenden um berufspraktische Erfahrungen bereichert werden. Dazu zählen zum Beispiel Praktika, Nebenjobs, Werkstudententätigkeit und Studierendeninitiativen. Der Wert eines Berufseinsteigers ergibt sich auch durch diese Kombination aus Studium und individuell gesammelter Praxiserfahrung.

Eine faire Bezahlung für Kommunikatoren jeden Berufslevels anstreben

Doch was sind Kommunikationsleistungen überhaupt wert? Was gar nicht geht, sind die von Christiane Schulz erwähnten 90 Euro, die gemäß des Artikels bei einigen großen Unternehmen als Stundenpreis für Kommunikationsleistungen durch erfahrene Berater veranschlagt werden. Hier sollten sich Einkäufer oder Unternehmer fragen, ob sie selbst für 90 Euro brutto ihre Expertenleistung hergeben möchten. Sowohl Unternehmen als auch Agenturen sollten hier eine angemessene, faire Bezahlung für Kommunikatoren jeden Berufslevels anstreben. Eine faire Vergütung bietet die Basis, auch die Berufseinsteiger in Agenturen angemessen zu bezahlen. Erweitert werden muss diese, um die Bereitschaft, Berufsanfängern, fußend auf Anerkennung und Wertschätzung für sie, faire Gehälter zu bieten.

In dem Zusammenhang bleibt die Frage, was wir Berufseinsteiger in der PR-Branche wert sind. Wir sind es wert,

  • dass unser Beitrag zum Agentur-/Unternehmenserfolg angemessen vergütet wird.
  • dass man uns zutraut, auch ohne 25 Jahre Berufserfahrung gute Leistungen zu bringen, da wir eine frische Sicht, eigene Erfahrungen und neue Kenntnisse beitragen.
  • dass man uns fördert und fordert und so eine möglichst steile Lernkurve ermöglicht.
  • dass man uns ernst nimmt, unsere Stimmen hört und uns nicht als unselbstständig belächelt, denn wir gestalten schon jetzt aktiv die Gegenwart und die Zukunft der PR.

Das alles und noch viel mehr sind Berufseinsteiger in der PR-Branche wert! Was ist eure Meinung dazu? Meldet euch unter dem Hashtag #dassindwirwert zu Wort und erzählt uns von euren Erfahrungen im Alltag, bei Gehaltsverhandlungen und allem, was ihr dazu erlebt habt. Wir freuen uns auf einen Austausch zu diesem Thema, denn über den PR-Nachwuchs kann nie genug gesprochen werden!

Clara Lamm (Foto) ist Mitglied des Bundesvorstands der DPRG und verantwortet die Nachwuchsförderung. 

Die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) wird auf dem PR Report Camp am 13. November in Berlin einen Dialog mit allen Interessierten durchführen. Das PR Report Camp findet im Vorfeld der Winners Night der PR Report Awards statt. Im Programm des Camps stehen die Präsentation von 25 Top Cases, eine Auswahl der besten Projekte des Jahres, das PR Report Karriereforum, die PR Report Werkstatt und das #30u30 Finale.