DPRG Design Thinking 2017Rund 35 Young Professionals und Studierende der Hochschulen in und um Stuttgart trafen sich am 16. November an der Universität Hohenheim zur PR-Werkstatt „Design Thinking“, einer Kooperationsveranstaltung der DPRG-Landesgruppe Baden-Württemberg und des Fachgebiets Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim. Gespannt saßen alle Teilnehmer in den Reihen des Hörsaals und bekamen von Daniel Biedermann, Manager Design Thinking bei der Daimler AG in Stuttgart, einen Einblick in die Konzeption und Umsetzung von Design Thinking-Prozessen. Denn – und das stellte der Workshop-Leiter den Junioren gleich zu Beginn des Workshops in Aussicht – all die Prozessschritte sollten sie in Teams bereits an diesem Nachmittag selbst durchlaufen.

Nach den Rahmenbedingungen einer Aufgabe fragen

Bevor es mit dem kurzen Impulsvortrag losging, waren auch gleich die Teilnehmer gefragt. Die Aufgabe: Zu zweit je einen Papierflieger falten, mit nur einer Hand pro Partner und das in maximal drei Minuten. Zwar waren nach Ablauf der Zeit rund 15 Papierflieger startklar, doch hatte sich keines der Teams zuvor erkundigt, mit welchem Ziel sie den Flieger bauen sollten. Ziel wäre es gewesen, dass der Flieger möglichst weit fliegt. Keine Loopings oder kein schönes Aussehen waren gefragt, sondern allein die zurückgelegte Strecke wäre entscheidend gewesen.

Faktor Rahmenbedingungen: Die Zielsetzung und die Hintergründe eines Arbeitsauftrags sind wichtig. Bevor man in die Bearbeitung einer Aufgabe einsteigt, immer zunächst beim Auftraggeber die Hintergründe einer Aufgabe und die damit verknüpften Erwartungen erfragen.

Zentrales Bedürfnis der Nutzer identifizieren

Beim Design Thinking dreht sich in letzter Konsequenz alles um die aus Sicht der Nutzer optimale Problemlösung. Es ist daher zentraler Bestandteil im Design Thinking, mit den Nutzern ins Gespräch zu kommen und ihren Bedürfnissen auf den Grund zu gehen. Dazu gehört auch, dass man neugierig ist und – wie man es von Kindern kennt – „Warum“-Fragen stellt. Ziel ist es, „Neues in dem zu entdecken, was wir bereits zu kennen glauben“. Die Analysephase schließt dann mit der Formulierung des Kernproblems ab, das auf Basis der Nutzerbefragungen identifiziert wurde.

Faktor Fokussierung: Ein Problem steht am Ausgangspunkt  - und statt hinter verschlossenen Türen über möglichen Problemlösungen zu grübeln, lautet die Devise: befragen, beobachten, hinterfragen und auf das zentrale Problem verdichten.

Kreativität durch Zeitdruck fördern

Sobald das Kernproblem definiert ist, können rund um dieses Problem Ideen entwickelt werden. Es ist wichtig, nicht nur eine Idee zu finden, sondern möglichst viele unterschiedliche Lösungen. Im Workshop scribbeln die Teilnehmer ihre Ideen auf Papier und stellen diese dann anschließend vor. Für die beiden Prozessschritte werden im Einführungsworkshop jeweils nur rund fünf Minuten eingeplant. Denn eine Idee, die in diesem frühen Stadium und nach so kurzer Zeit verworfen werden muss, ist noch einfach zu verschmerzen.

Schließlich wird dann jene Idee weiterverfolgt, die beim Nutzer am besten angekommen ist. Zu dieser Idee wird anschließend ein Prototyp gebaut. Hierfür steht den Teilnehmern Material zur Verfügung – Legosteine, Karton und buntes Papier, Filz, Draht und Klettverschluss kommen zum Einsatz. Und auch für das Bauen der Prototypen werden wieder nur rund zehn Minuten eingeplant. Die Teilnehmer entwickeln ihre Prototypen und präsentieren diese anschließend. Auch hier muss die Idee noch nicht bis ins Letzte ausgereift sein. Vielmehr entsteht eine erste Basis, um sich mit den Nutzern auszutauschen: Was gefällt? Was könnte noch optimiert werden? Was fehlt und warum kann die Idee nicht überzeugen? Dann können wieder Anpassungen vorgenommen und je nach Nutzer-Feedback einzelne Prozessschritte wiederholt werden.

Faktor Zeit: „Time Boxing“ – kurze Zeitspannen für einzelne Prozessschritte – ist wichtig, um schnell und fokussiert zu arbeiten. Zeitliche Begrenzungen unterstützen dabei, das Wesentliche im Blick zu behalten und sich nicht in potenziellen Lösungen zu verlieren, die sich vom Kernproblem entfernen.

Kirchenbauer Alena 2Autorin: Alena Kirchenbauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und (mit Andreas Biesinger) Sprecherin der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.

 

 

Fotos: Andreas Biesinger, Stuttgart