DPRG Merry Crisis 2017Absichtlich in eine Krise stürzten sich am 15. und 16. Dezember in Stuttgart rund 30 Studierende und Young Professionals. Unter der Leitung von Swaran Sandhu, Professor für Unternehmenskommunikation und PR an der Stuttgarter Hochschule der Medien, luden die Viertsemester des Bachelorstudiengangs Public Relations zum Communication Camp ein. Dem Motto „Merry Crisis – leise kriselt der Schnee“ entsprechend drehte sich am dritten Adventswochenende alles um die professionelle Krisenkommunikation. Nach rund fünf Stunden Arbeit unter Hochdruck konnten die Teilnehmer am Samstagnachmittag (16. Dezember) beim abschließenden Feedback langsam wieder etwas entspannen. Die Experten Sven Matis, Leiter der Pressestelle der Landeshauptstadt Stuttgart, sowie Christine Fröhler und Alexander Praun, beide stellvertretende Geschäftsführer der PR-Agentur Communication Consultants, zogen gemeinsam mit den Teilnehmern am Samstagnachmittag Bilanz und gaben wichtige Tipps rund um Statements, Presseinformationen und Telefonanrufe mit auf den Weg.

Vom Impulsvortrag und Briefing direkt in die Krise

Am Freitagnachmittag startete das Communication Camp mit einem Impulsvortrag zum Thema Krisenkommunikation von Johannes Schumm, Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation des Stuttgarter Flughafens. Danach bildeten sich die Teams, denn Junioren und Studierende von ganz unterschiedlichen Hochschulen und aus verschiedenen Studiengängen kamen bei der Veranstaltung zusammen. Am Samstag ging es dann gleich am Vormittag weiter. Die fünf Teams wurden eingeweiht, dass sie für die nächsten Stunden jeweils das PR-Team eines fiktiven Flughafens bekleideten. Und dann fiel auch schon der Startschuss. Das Szenario: Auf einer Landebahn des Flughafens kam es zu einer Kollision zweier Flugzeuge, es gibt Verletzte. Die Ursachen sind noch unklar, aber mit den ersten Anrufen von besorgten Angehörigen und Journalisten ist schon in den nächsten Minuten zu rechnen.

Telefonterror setzte Teilnehmer unter Druck

Insbesondere die lang anhaltenden Anrufe kurz nach dem Bekanntwerden des Unfalls setzten die Teilnehmer unter Druck. Die Studierenden aus dem vierten Semester schlüpften in die Rolle von Bild- und Spiegelredakteuren oder aber auch von Angehörigen und Urlaubern, die sich nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigten. Das Telefon der Pressestellen stand folglich in den ersten Stunden nicht still. Mit der Zeit berichten die Teilnehmer von einer gewissen Routine, weil sich die Fragen der Journalisten häufig ähnelten. Aber es gab auch Journalisten, die ihnen mit bohrenden Nachfragen auf den Zahn fühlten oder sie mit neuen Sachverhalten konfrontierten, die der Pressestelle so noch nicht bekannt waren. Matis empfiehlt den Teilnehmern während der Feedback-Runde, neue Informationen, die von Journalisten an die Pressestelle herangetragen werden, herauszufiltern und diese intern zu prüfen. Falls in der Öffentlichkeit neue Sachverhalte kursieren, muss immer der Krisenstab über diese Entwicklungen informiert werden. Es ist daher eine Doppelfunktion, die Pressesprecher erfüllen: „Die Balance halten zwischen dem Abblocken nach außen und dem Aufsaugen neuer Informationen.“

Die Klaviatur der PR-Instrumente in der Krise

Parallel arbeiteten die Teams an Presseinformationen, organisierten eine Pressekonferenz und bereiteten ein Live-Statement fürs Fernsehen vor. Insbesondere Zitate vom CEO sind bei Vorfällen wie diesen in den Presseinformationen zu empfehlen. In einem solchen Falle ist auch nicht der Pressesprecher der Zitatgeber, sondern der CEO. Das menschliche Wohl ist außerdem sehr wichtig und sollte vor dem materiellen Schaden, den es ebenfalls zu beziffern gilt, thematisiert werden. Insbesondere die Formulierungen in den Presseinformationen und die Souveränität beim Einsprechen der Statements beeindruckten die Experten: „Da stecken viele Gedanken drin, um jede einzelne Formulierung und um die dazugehörigen Einschätzungen“, so Fröhler. Dass in einer Krise sehr viel zusammenkommt, macht die Kommunikationssituation aber auch so spannend. Als Pressesprecher gilt es dann insbesondere auch, Prioritäten zu setzen und sich zum Beispiel direkt vor einem Statement aus dem operativen Geschäft zu ziehen, um sich die Sätze einzuprägen und auf das Einsprechen einzustellen. Denn „Willkommen in der Realität, bei Krisen hat man ständig das Gefühl, jemand nimmt einem die Zeit weg“, so Praun. Ob es ein Angehöriger, bohrender Journalist oder genervter Twitter User ist, in der Krise läuft die Kommunikation auf allen Kanälen auf Hochtouren. Das durften die Teilnehmer im Rahmen des Communication Camps am eigenen Leib erfahren.

Kirchenbauer Alena 2Autorin: Alena Kirchenbauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und Sprecherin der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.

 

 

 

Fotocredit: Andreas Biesinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und Sprecher der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.