DPRG Neujahrsempfang 2018 3

Den Blick auf die Zukunft und die Herausforderungen der Kommunikationsbranche gerichtet, eröffneten Sabine Clausecker, DPRG Landesvorsitzende und Schatzmeisterin sowie DPRG Präsidenten Norbert Minwegen, am 25. Januar in der Telekom Hauptstadtrepräsentanz Berlin den Neujahrsempfang des Verbandes im 60. Jahr seines Bestehens. Vor rund 150 geladenen Gästen dankte Norbert Minwegen den Ehrenamtlichen in den Landesgruppen und Arbeitskreisen für ihre Arbeit. Sein Dank ging auch an die Telekom, die ihre Räume an diesem Abend für diesen Empfang zur Verfügung gestellt hatte.

„Die alte Tante DPRG wird 60,“ eröffnete Sabine Clausecker ihren Beitrag, mit dem sie zum Motto des Jahres, „60 Jahre Zukunft“ überleitete. Die DPRG könne auf eine bewegte und stolze Vergangenheit zurückschauen. Mit über 2000 Mitgliedern, in neun Landesgesellschaften und zahlreichen Arbeitskreisen ist sie heute der Berufsverband, der am breitesten alle Bereiche der Kommunikationsbranche verbinde. Auf rund 200 Veranstaltungen pro Jahr können sich PR Profis austauschen, vernetzen sowie von- und miteinander lernen.

„Die letzten 60 Jahre waren für alle Kommunikatoren nicht immer einfach und die nächsten werden es garantiert auch nicht,“ so Clausecker. Die Kommunikationsbranche erlebe jetzt Entwicklungen, die etwa die Musik- und Unterhaltungsindustrie oder auch die Verlage sowie den Journalismus längst erfasst hätten. „Wir müssen lernen, dass es nicht nur um neue Formen der digitalen Kommunikation geht, sondern dass auch unsere Arbeit, unsere Prozesse, unsere Methoden und Werkzeuge digitalisiert werden. Das ist ein Unterschied.“

Belege für diesen Paradigmenwechsel seien darin zu erkennen, dass mehr und mehr Konzerne, und selbst eher „konservative“ Unternehmen wie die KfW, dazu übergingen, ihre Bilanzpressekonferenz nur noch digital abhalten. Andere testeten Chatbots in der Unternehmenskommunikation in Bereichen wie dem Dialog- oder auch Informationsmanagement. Und letztlich würden die Inhalte, die Unternehmen früher „klassisch“ über die altbekannten Medien verteilt hätten, heute direkt ohne den Weg über ein Wirtschaftsmedium oder andere ins Netz gestellt.

Für Kommunikatoren bedeute diese Entwicklung, dass sie sich die neuen Technologien zu eigen machten: „Wir brauchen eine Digital Maturity, also ein Technikverständnis und eine Medienkompetenz, die über das Nutzen von Facebook und Whatsapp hinausgeht.“ Während Technik zunehmend Routineaufgaben in der Kommunikation übernehme, bestehe die Kernaufgabe der Kommunikatoren künftig auch darin, die Sinnhaftigkeit in Dingen und Vorgängen zu erkennen, denn dies könne die Künstliche Intelligenz hinter den Bots nicht leisten. „Das heißt, dass wir unsere Beratungskompetenz noch mehr verbessern müssen. Wir müssen viel wissen, damit wir Situationen besser analysieren und Aufgaben lösen können. Und wir brauchen Cross-Over Kompetenz. Wir müssen mehr von anderen Kommunikationsbereichen, zum Beispiel den Digitalen und den Marketingleuten wissen, um gute Konzepte entwickeln zu können.“

In seiner anschließenden Keynote warf Peter Szyszka, Professor für Public Relations an der Hochschule Hannover, einen Blick zurück. Er erinnerte an Carl Hundhausen, der in diesem Jahr 125 Jahr alt geworden wäre. Dieser „bis heute meist unterschätzte Vordenker unserer Profession“ sei kein Pressemann gewesen, der nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ verfuhr. Er habe die Verantwortung der Kommunikatoren für die Volkswirtschaft, die Public Relations und die Werbung frühzeitig erkannt. Auch an Albert Oeckl, der in den 1960er-Jahren Präsident der DPRG war und später zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde, erinnerte Szyszka. „Bis ins hohe Alter hinein kämpfte Oeckl für ein möglichst eigenständiges und selbstbewusstes PR-Bewusstsein und seiner Öffentlichkeitsarbeit.“

Die Digitalisierung steht aus Sicht des Kommunikationswissenschaftlers heute im Mittelpunkt der Veränderungsprozesse in der Kommunikationsbranche. Allerdings, so Szyszka, gehe es dabei nicht nur um technische Fragen und Fähigkeiten: „Wir müssen uns verdeutlichen, dass alle diese neuen Sozialen Medien, mit denen wir heute kommunizieren sollen, zu allererst Geschäftsmodelle sind, die mit attraktiv erscheinenden Kommunikationsleistungen Geld verdienen wollen. Prüfen wir deshalb ihre tatsächlichen Kommunikationsleistungen und den damit verbundenen Mehrwert, wägen wir gemeinsam mit unseren Geschäftsführungen und Kunden Chancen und Risiken der vermeintlichen Attraktivität ab, bevor wir an Heilsversprechen oder Krisenszenarien glauben.“

Titelfoto: Norbert Minwegen, Stefan Hencke, Thomas Zimmerling, Sabine Clausecker, Clara Lamm, Sybille Höhne, Ferdinand von Reinhardstoettner, Christina Kahlert, Philipp Schindera (v.li.n.re.)

Fotocredit: Thomas Scharfstädt, Berlin; Claudia von Löwenthal, Berlin (Titelfoto)