Bruno

„Anja Bahl hat Ihnen eine Freundschaftsanfrage geschickt“ - Eine alltägliche Situation in Facebook und auch nichts Problematisches, wenn Anja Bahl eine gute Kollegin oder eine Kindergartenfreundin ist. Doch was, wenn nicht? Was, wenn es ein Social Bot ist? In sozialen Medien treiben sich Millionen von Social Bots herum, Fake Profile, die nicht von realen Personen sondern von Computerprogrammen geführt werden.

Mit diesem Thema beschäftigte sich am 31. August eine gemeinsame Tagung der DPRG und der Staatskanzlei des Saarlandes. Giovanni Bruno (Foto oben), Geschäftsführer der Agentur fokus_digital und DPRG-Mitglied aus Berlin, und sein Geschäftspartner Sebastian Schlimper klärten 50, meist verdutzte, Teilnehmer über Social Bots und Fake News auf. Zur Erinnerung: Unter einem Bot (von englisch robot ‚Roboter') versteht man ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet.

Diese Social Bots arbeiten nach Algorithmen. Sobald ein Bot in einen Freundeskreis kommt, teilt er Posts - auch solche mit Fake News und überspitzten Nachrichten und kann sich so immer weiterverbreiten. Laut Bruno ist sicher jedem dritten Facebook Nutzer schon einmal ein solcher Bot über den Weg gelaufen, ohne dass dies aufgefallen ist. Weltweit gibt es mehr als 400 Millionen solcher Bots: viele aktive und viele „schlafend“. Sie manipulieren und streuen Fake News sowie negative Meinungen.

Weiterhin werden automatisch Freundschaftsanfragen versendet oder programmierte Antworten auf Kommentare verfasst, sobald man einen Post liked, bei dem sich Social Bots herumtreiben. Sobald eine reale Person eine Freundschaftsanfrage annimmt oder einer Gruppe beitritt ist es ein Leichtes, die Daten des Profils zu stehlen und zu kopieren. Meist werden Bilder verändert und die Kontaktdaten übernommen, so dass ein Fake Profil einem realen zum Verwechseln ähnlich sieht. Durch das Zusammenspiel von realen Menschen und Social Bots fallen diese kaum auf.

Außerdem können so genannte Satellitenseiten, das heißt gefälschte Internetseiten mit Fake News, mit Hilfe von Bots durch mehrere gezielte Google Suchanfragen und Schlüsselwörter künstlich in der Suchanzeige immer weiter in Richtung Platz eins geführt werden. So verbreiten sich falsche Nachrichten in Rekordzeit und nur wenige hinterfragen solche real wirkende Seiten. Einen Bot bei Facebook zu identifizieren, ist daher extrem schwierig. Es müssten Verhaltensmuster verglichen und Daten gesammelt werden, was in Deutschland gesetzlich unzulässig ist.

Doch laut Bruno und Schlimper brauchen wir auch Bots. Sie können hilfreich eingesetzt werden und dabei den Alltag effizienter und sicherer gestalten. So können zum Beispiel Social Bots Crossmedial für große Unternehmen arbeiten: Postet man einen Artikel auf Facebook, können die Social Bots diesen Beitrag gleichzeitig über Twitter und Co verbreiten. Sie können zusätzlich zum Beispiel mit Hilfe von Schlüsselwörtern auf Kommentare antworten.

Legal nutzt man Social Bots für Unternehmen, wenn sie als solche gekennzeichnet werden. Ob Social Bots bei der Bundestagswahl helfen können, waren sich Bruno und Schlimper uneinig. Zwar würden die Bots die Community aufbauen, doch fallen diese Fake Profile bei kleineren Gruppierungen schneller auf und schaden so eher der Partei. Alles in allem sind sich Bruno und Schlimper in einer Sache einig: Um Bots zu umgehen, muss man „das Internet ausstellen“.

 

vortrag klein

Thorsten Klein (r.) aus dem Landesvorstand Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland dankte Sebastian Schlimper (l.) und Giovanni Bruno (m.) für den hochinteressanten Vortrag,