Schach den Bots 2017

GPRA-Chairman Uwe Kohrs kündigt ein Regelwerk zur Online-Kommunikation an, Stratege Christian Scherg berichtet über den Bot-Angriff gegen „Du hast die Wahl“

Der Großangriff der Bots ist ausgeblieben. Das ist die beruhigende Nachricht. Und doch bemühen sich offenbar Betreiber von Social Bots und Fake-News-Portalen, Protestpotenziale zu mobilisieren mit dem Ziel, Entscheidungen zu beeinflussen. Das ist die beunruhigende Nachricht. Und zugleich ist sie ein Appell an alle, die sich mit dem Thema Kommunikation befassen. Dieser heißt: Wir müssen wachsam sein. Wir müssen mehr und aktiv dazu beitragen, wie Meinungsbildung hierzulande stattfindet. Einige nützliche Impulse hierfür gingen von der Podiumsdebatte „Schach den Bots“ aus, zu der die DPRG-Landesgruppe Hessen-Rheinland-Pfalz-Saarland am 19. September in Frankfurt am Main eingeladen hatte. Initiator und Organisator der Veranstaltung war Matthias Dezes, Dezes Public Relations. Das Podium war pointiert, berichtete und analysierte aus erster Hand, und auch das Publikum beteiligte sich rege. Hier einige Schlaglichter aus der Debatte:

Cybersicherheit erfordert Zuammenarbeit

Lukas Linke, Cybersecurity Manager beim Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI), warnte vor dem Ansehensverlust, den Firmen und Personen erleiden können, wenn sie über Fake News und Instrumente der Cyberkriminalität angegriffen und verunglimpft werden – und nannte Handlungsoptionen: „Das Problem ist nicht mit Technik lösbar – wir vom ZVEI setzen auf den offenen Austausch über Angriffe und Schäden durch Cyberkriminalität. Cybersicherheit erfordert die Zusammenarbeit aller Instanzen“, sagte Linke. Der ZVEI hatte für die Veranstaltung freundlicherweise die Räume und Verpflegung bereitgestellt.

Peter Meyer vom eco Verband der Internetindustrie wehrte sich zwar gegen die These, Bots gefährdeten die Demokratie. Doch konstatierte auch er die Unterminierung der Meinungsbildung durch unseriöse Anbieter von Informationen. Zugleich warnte er, ähnlich wie Linke, vor dem starren Glauben an eine gesetzliche Regulierung. Diese allein werde das Problem nicht lösen. Allein schon deshalb, weil das Internet keine Grenzen nach Jurisdiktionen kenne.

Wahlkampf erstmals auch digital

Wahlkampf-Forscher Simon Kruschinski von der Universität Mainz konstatierte zu der Frage, ob die Parteien sich angemessen auf Cyber-Wahlkampfe vorbereitet hätten: „Die Parteien haben sich mit unterschiedlichen Maßnahmen auf mögliche Angriffe gegen ihre Kommunikation in sozialen Medien vorbereitet. Die Grünen haben eine Netzfeuerwehr initiiert. Die CDU ist vorbereitet zu reagieren. Medien setzen mit großem Aufwand auf Fact Checking.“

GPRA-Chairman Uwe Kohrs betonte, die PR-Branche habe als einzige Kommunikationsindustrie eine präzise Online-Richtlinie ausgearbeitet. Das Regelwerk wurde im Detail auf dem Berliner Kommunikationskongress 2017 erläutert. Es ist verbindlich sanktionsfähig und damit alles andere als ein zahnloser Tiger. Zugleich betonte er, dass Fake News an sich seien nichts Neues seien – die Gefahr liege in der sekundenschnellen und vielfachen Verbreitung: „Fake News gehören zur Kommunikation – die gab’s schon immer. Jetzt werden solche Inhalte nur extrem schnell multipliziert.“ Dies führe in Unternehmen und Agenturen zu Verunsicherung. Gerade aus diesem Grunde suchten die Menschen Medien, denen sie vertrauen: „Als Leuchttürme gelten nach wie vor Medien wie Handelsblatt und Wirtschaftswoche.“

Bots in der Regel erkennbar

Online-Strategieberater Christian Scherg, der Unternehmen, Manager und Privatpersonen berät, schilderte einen nachweislichen Bot-Angriff auf die private Wahl-Initiative „Du hast die Wahl“. Das Beispiel zeigte, wie solche Angriffe funktionieren, und dass man ihnen am besten mit Zivilcourage und ohne Hysterie begegnen sollte. Zugleich wies er auf die letzten Endes leichte Erkennbarkeit von meinungsverzerrenden Bots hin: „Bots sind oft sehr dumm – sind vielfach darauf beschränkt, zu multiplizieren. Wenn man die Qualität der Interaktion prüft, kann man bereits viel erkennen.“ Hilfreich wäre darüber hinaus ein System, das erkennen lässt, wer der Absender einer Nachricht ist.

Fazit: Die Zeit des Wegsehens ist vorbei. Was immer die Urheber von Fake News und gefälschten Meinungen im Schilde führen – wir können sie von mehreren Seiten in Schach halten: durch Regelwerke – seien es rechtliche oder von unserer Branche entwickelte; durch Technologie, durch kommunikative Gegenmaßnahmen und schließlich durch die eigene Zivilcourage.

Bild oben: Das Podium (v.li.) Peter Meyer, Leiter der Cyber Security Services beim eco Verband der Internetwirtschaft, Experte für Internet-Sicherheit und Online-Betrug; Simon Kruschinski, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Mainz, ist beteiligt am Forschungsprojekt „Der Einfluss von Social Bots und Fake News auf die Bundestagswahl“; Uwe Kohrs, Chairman des Verbands der Public-Relations-Agenturen GPRA sowie Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Impact; Christian Scherg, Berater für Internet- und Social-Media-Strategien und Gründer der Düsseldorfer Strategiefirma Revolvermänner; Matthias Dezes, Dezes Public Relations.

Text: Matthias Dezes, Thomas Zecher – DPRG LG HRPS