Besuch HAZ 2016 TitelDie Nachfrage war riesig, und die Zahl der Plätze leider begrenzt. Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung der DPRG-Landesgruppe Niedersachsen-Bremen am 13. Juni zu „Newsdesks, Newsrooms, Digitalisierung, Blogs, Social Media und Konzentrationsprozess der Medien - wie haben sich durch neue Techniken und Entwicklungen Medienlandschaft und HAZ verändert?“. Alle 20 Plätze waren schnell belegt. 

Begrüßt und durch den Abend geführt wurden wir von Jan Sedelies, Redakteur, Moderator und Leiter des Redaktionsmarketings für die HAZ. Kenntnisreich und doch locker und dabei erfrischend offen sprach er mit uns über die Veränderungen, die die Digitalisierung und der Konzentrationsprozess der Medien auch für den Madsack-Konzern und die HAZ gebracht haben.

Es fehlen die Neukunden

Die HAZ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) und die NP (Neue Presse) wechseln zum Ende des Jahres das Format und werden kleiner und handlicher (vom Nordischen zum Berliner Format), erklärte Sedelies. Deshalb und weil eine Investition in die alten Druckanlagen im Pressehaus sich nicht lohnt, wird die Druckerei in Hannover Ende 2016 geschlossen. Die hannoverschen Zeitungen HAZ und NP werden dann ebenso wie die „Heimatzeitungen“ der Städte und Gemeinden in der Region Hannover in Rodenberg bei Bad Nenndorf gedruckt.

Die Digitalisierung stellt Zeitungen und Verlage vor eine große Herausforderung. Bei HAZ und NP gab es zum Beispiel Auflagenverluste von bis zu sieben Prozent. Auch der Anzeigenverkauf, der bisher stark zur Finanzierung beitrug, gehe deutlich zurück. Dabei sind die eigentlichen Zeitungsleser sehr treu; jedoch fehlten die Neukunden.

Zeitung machen ist ein Kampf auf mehreren Ebenen

Drei Erkenntnisse habe man bei Madsack gewonnen.

Erstens: Zeitung machen ist heute ein Kampf auf mehreren Ebenen: Um Anzeigenkunden, um weniger Kosten, um Auflage und um die Zustellung. So werde es zunehmend schwieriger, neue verlässliche Zusteller zu finden, was dann wieder verärgerte Abokunden zur Folge hat.

Zweitens: Die Menschen kaufen Zeitungen insbesondere, weil sie detaillierte und auf sie zugeschnittene Informationen über lokale und regionale Themen haben wollen. Ab Dezember wird es deshalb mehr Vielfalt in der sublokalen Berichterstattung geben, unterstützt von einem spezifischerem Einsatz von Social Media (Twitter: zum Beispiel Polizeireporter; Facebook für bestimmte Stadtteile oder Orte).

Drittens: Jeder Kanal, jedes Medium benötigt seine eigene Sprache. Deshalb können die Inhalte nicht nahtlos und unverändert in allen Kanälen weiterverwendet werden. Zeitung sei anders als Facebook oder Twitter.

Lösung: Diversifikation und Zusatzgeschäfte

Eine Reaktion von Madsack ist Diversifikation und Etablieren von (gewinnbringenden) Zusatzgeschäften wie citipost; Laporte (Konzertkartenverkauf); eine eigene Medienagentur zum Beispiel für Bücher, Kalender, DVDs [ http://www.madsack-agentur.de https://shop.haz.de ]; die „Mediabox“ [ http://haz.media-box.de ]; Internet-Radio und vieles mehr. Selbstverständlich bei strikter Trennung von Redaktion und kommerziellen Aktionen. Innerhalb des Konzerns gebe es hier viel Raum für Experimente und zum Ausprobieren.

Eine weitere Reaktion ist die Gründung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND), das ähnlich wie eine Agentur für alle Zeitungen des Madsack-Konzerns übergreifende Themen redaktionell aufarbeitet und den Redaktionen vor Ort anbietet. Warum zum Beispiel sollen 18 Redakteure statt nur einem eine Tatortkritik schreiben? So werde Manpower für die regionale und lokale Berichterstattung frei.

Newsroom: konzentriert bei der Arbeit

Anschließend durften wir einen kurzen Blick in „die heiligen Hallen“ werfen und den üblicherweise nicht zugänglichen Newsroom sehen. Dort konnten wir life miterleben, wie die letzten Seiten der HAZ-Ausgabe für den nächsten Tag zusammengestellt wurden. Da die Redakteure sehr konzentriert bei der Arbeit waren, ergab sich leider nur ein kurzer Blick und wenig Gelegenheit für Nachfragen.

In der Druckerei herrscht Stille

Ein kurzer Rundgang durch die Druckerei folgte – dort wurde nur zu deutlich, welche Folgen die Veränderungen in der Medienlandschaft und auch der Weggang einiger Zeitungen und Regionalausgaben, die früher hier gedruckt wurden, nach sich ziehen: Riesige Hallen voller beeindruckender Maschinen, von denen die meisten aber still und ruhig standen. Wir dürfen gespannt sein, welche Nachnutzung nach dem Weggang der Druckerei für dieses „Industriedenkmal“ gefunden wird.

Ein spannender Blick hinter die Kulissen, der deutlich machte, wieviel sich geändert hat und was gleich geblieben ist – mit welchem Engagement und Herzblut Journalisten auch heute noch „ihr Blatt“ gestalten.

Mehr zum Standort Hannover von Madsack.

Stuelten TatjaAutorin: Tatja Stülten, stellvertretende Landesvorsitzende der DPRG Niedersachsen-Bremen. PR-Beraterin (DAPR) mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Derzeit Referentin im Studentenwerk Hannover.

 

 

 

 

Fotocredits: Alina Chivu, Innoreal GmbH (Fotos 2 und 3), und Jens Voshage, Eins A Kommunikation (Foto 1, Titel), beide Hannover