Fachtag Wissenschaftskommunikation 2018Zum Fachtag Wissenschaftskommunikation am 16. April in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale) trafen sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit, um sich über den neuesten Stand der Wissenschaftskommunikation, Trends und aktuelle Strategien auszutauschen.

Welchen Herausforderungen muss sich die Wissenschaftskommunikation in der heutigen Zeit stellen? Wie beeinflussen Social Media, Big Data, verschiedenste Multiplikatoren und neue Werkzeuge die bisher üblichen Prozesse? Mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich beim Fachtag Wissenschaftskommunikation aus. Ein Schwerpunkt war die Frage, wie sich Innovationen aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen erfolgreich kommunizieren und vermarkten lassen.

Durch das Programm führten Ilka Bickmann, Vorstandsvorsitzende von science2public, Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e. V., sowie Peter Szyszka, Professor für Organisationskommunikation und Public Relations an der Hochschule Hannover. Professor Gunnar Berg, Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag. Er sprach unter anderem darüber, dass bereits Aristoteles erkannt hatte, dass die Kommunikation über das Wissen das maßgebliche Instrument ist, dieses weiterzugeben. Die Öffentlichkeit ist auch heute noch darauf angewiesen, dass Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft verständlich vermittelt werden. Dabei ging er ebenso auf die Rolle der Medien in Sachsen-Anhalt wie auf den Kommunikationstransfer innerhalb der Wissenschaft ein.

Professor Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, und zugleich Schirmherr der Veranstaltung, verglich in seinem Impulsvortrag das Kommunizieren über Forschung und Wissenschaft mit der Allegorie des Elfenbeinturms: Transparenz sei der maßgebliche Faktor für die Wissenschaftskommunikation – auch wenn unangenehme Themen in die Öffentlichkeit getragen werden müssten. Adressatengerechte Kommunikation solle heutzutage zum Handwerkszeug jedes Multiplikators gehören.

Die folgende Podiumsdiskussion zum Thema »Wissenschaft, Öffentlichkeit, Medien – was macht gute Wissenschaftskommunikation aus und warum brauchen wir sie?« moderierte MDR-Programmmoderatorin Nathalie Wappler-Hagen. Auf dem Podium diskutierten Günter Bentele, em. Professor für Öffentlichkeitsarbeit der Universität Leipzig, Reiner Korbmann, Science & Media Wissenschafts- und Technikkommunikation München, Tobias Maier, wissenschaftlicher Leiter des Nationalen Institutes für Wissenschaftskommunikation in Karlsruhe, sowie Minister Willingmann. Eine der Erkenntnisse der Debatte: Die Gesellschaft will heute nicht nur wissen, was passiert, sondern sie beeinflusst durch ihr Verhalten auch, was passiert. Eine weitere Herausforderung für die Wissenschaftskommunikation sei es, das Wissen aus mittlerweile weltweit 1,2 Millionen Fachbeiträgen pro Jahr veröffentlicht zu bündeln und adressatengerecht zu kommunizieren.

Kern des Programms bildeten insgesamt sechs Labs, in denen die Teilnehmer gemeinsam Ideen entwickelten, wie sich herausragende Innovationen bestmöglich kommunizieren lassen. Beispiele für solche Innovationen wurden von Vertretern aus Forschung und Industrie vorgestellt, die für ihre herausragenden Erfindungen und Entwicklungen mit dem Hugo-Junkers-Innovationspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden waren. Ihnen zur Seite stand je ein Kommunikator aus Journalismus, Wissenschafts-PR oder Marketing. Gemeinsam stellten Innovatoren und Kommunikatoren ihr Forschungsthema in einem dreiminütigen Pitch vor und warben um Teilnehmer für ihr Lab.

Den Start machte Professor Michael Tchirikov vom Universitätsklinikum Halle, der ein System erfunden hat, schwangeren Frauen mit vorzeitigem Blasensprung mit künstlichem Fruchtwasser zu behandeln, damit das ungeborene Kind noch weitere sieben wertvolle Wochen zur Entwicklung im Mutterleib versorgt ist. Ihm war Carsten Kolbe, Geschäftsführer der DIPLOMA-Hochschule Berlin, als Kommunikator zur Seite gestellt.

Lab 2 bestand aus Rene Gröger von der i-bring GmbH aus Magdeburg und Phillip Schrögel aus der Abteilung Wissenschaftskommunikation des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Rene Gröger entwickelte mit seinem Team ein cleveres Home-Logistic-System, das alle innerstädtischen Lieferungen – sowohl an Privathaushalte als auch an Händler und Firmen – clever bündelt, um Zeit und Ressourcen zu sparen.

Dr. Santer zur Horst-Meyer von der Sonotec GmbH und Juliane Leopold, freie Journalistin aus Hamburg, präsentierten im nächsten Pitch das Modulare Ultraschall-Mess- und Prüfungssystem SONAPHONE, das Gasströme messen kann und einen wichtigen Beitrag zur Instandhaltung von Geräten im Rahmen von Industrie 4.0 leisten kann. In Lab 4 präsentierte Professorin Carola Griehl, angewandte Biowissenschaftlerin und Prozesstechnikerin der Hochschule Anhalt in Bernburg, gemeinsam mit Karsten Kiesant vom MDR-Fernsehen in Magdeburg, wie sich aus Algen wertvolle Roh- und Wirkstoffe gewinnen lassen. Lab 5 bestand aus Ulrike Hirsch vom Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) und Urs Moesenfechtel vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ Leipzig. Sie stellten in ihrem Kurzvortrag dar, wie man durch Oberflächenoptimierung eine längere Lebensdauer für Module zur Trinkwasseraufbereitung erreichen kann. In Lab 6 ging es um einen in Schkopau entwickelten Kautschuk für Reifen mit geringerem Rollwiderstand. Das Thema präsentierten Michael Rössle von der Trinseo GmbH sowie Bert-Morten Arnicke, Kommunikations- und Projektmanager am Technologie- und Gründerzentrum Halle.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich für eines dieser Themen entscheiden und dann in zweieinhalbstündiger Projektarbeit im Lab gemeinsam Kommunikationsstrategien dazu erarbeiten. Abschließend wurden in verschiedenen Kurzpräsentationen die Ergebnisse dargestellt: Jedes Projektteam hatte die Möglichkeit, sein Produkt auf spannende und unterhaltsame Art und Weise vorzustellen und verschiedene Kommunikations- und Marketingstrategien aufzuzeigen. Dabei bewerteten sich die Labs durch ein Punktesystem gegenseitig. Den ersten Platz erhielt das Lab 3 mit dem Thema Ultraschallmessgerät, Platz zwei ging an die Gruppe, die sich mit dem künstlichen Fruchtwasser beschäftigt hatte und Platz drei wurde doppelt vergeben: Die Strategien für das Algen- und Reifen-Thema konnten die gleiche Punktezahl einfahren. Die Sieger erhielten je ein Ticket für das internationale Wissenschaftsfilmfestival SILBERSALZ vom 28. Juni bis 1. Juli 2018 in Halle (Saale) und haben damit die Gelegenheit, mit erfahrenen Medienmachern über die Umsetzung ihres Themas in Form eines Filmes zu beraten.

Der Fachtag Wissenschaftskommunikation wurde mit einer Abendveranstaltung am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik Halle (Saale) beendet. Professor Stuart Parkin, Direktor am MPI Halle, hielt zum Abschluss eine Dinner Speech zum Thema »Wie Materialforschung neue Computerspeicher möglich macht«.

Der Fachtag Wissenschaftskommunikation wurde ausgerichtet von science2public® – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e.V., dem Landesverband Sachsen-Anhalt/Thüringen der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG), der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, dem Lehrstuhl Mikrostrukturbasiertes Materialdesign der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, dem weinberg campus e.V. und der univations GmbH.

Fotocredit: © Fraunhofer IMWS