Snapchat 1x1 Hype oder Flop

Snapchat 1×1: Hype oder Flop? Diese provokante Frage bildete am 11. Oktober den Auftakt der Ringvorlesung „Aktuelle Themen aus PR und Unternehmenskommunikation“ der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) im Wintersemester 2016/17. Michael Hartung erläuterte, wo die Chancen und Herausforderungen der App für die Unternehmenskommunikation liegen. Hartung ist einer der deutschen Top 10-Snapchatter und Geschäftsführer der YAEZ Verlag GmbH. Die Veranstaltungsreihe wird durch die DPRG als Kooperationspartnerin unterstützt.

Michael Hartung zeigte zunächst die Besonderheiten von Snapchat auf, die diesen Kanal von anderen Social Media wie Facebook, Twitter und Instagram unterscheiden:

  • Content: Die Inhalte sind nicht dauerhaft abrufbar. Stories können 24 Stunden aufgerufen werden. Snaps können je nach Einstellung durch den Absender bis zu zehn Sekunden angesehen werden.
  • User: Es gibt keine Profile der User. Daher ist es auch schwierig, anderen Snapchattern zu folgen. Der User muss sich aktiv darum bemühen, jemanden zu folgen.
  • Engagement: Es gibt keine „Gefällt mir“-Buttons oder Herzen, um Beiträge zu „liken“ und auch Links lassen sich nicht snappen.

Dass die Snaps nicht dauerhaft zur Verfügung stehen, fördert aus seiner Sicht den authentischen Charakter der Inhalte. Anhand einer Snapchat Story erzählt zum Beispiel jeden Tag ein Rewe-Azubi von seinem Arbeitsalltag und Lena Meyer-Landrut übernimmt den Lufthansa-Account, um die Follower auf ihre Reise nach Tokio mitzunehmen. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die User aktiv um das Folgen anderer Accounts bemühen müssen. Daher eignet sich Snapchat, so Hartung, aktuell vor allem in der Kommunikation für bestehende Fans. Snaps oder Stories können auch nicht mit weiterführenden Links versehen werden. Denn Snapchat möchte die User auf der eigenen Plattform halten. So können die User nicht zu Kommunikationsangeboten auf anderen Plattformen weitergeleitet werden.

Diese und weitere Besonderheiten stellt das Kommunikationsmanagement vor Herausforderungen. Eine pauschale Lösung, wie Unternehmen Snapchat einsetzen können, hat dabei auch Hartung nicht parat. Und doch gilt aus seiner Sicht: Formate und zum Teil auch Mechaniken wiederholen sich. Was vor einigen Jahren bereits in anderen Medien funktioniert hat, kann auf Snapchat angewendet und an die spezielle Funktionsweise der App angepasst werden, denn „man darf sich in der digitalen Welt nicht davor scheuen, eine Sache zu kopieren“, so Hartung. Er empfiehlt, nicht zu perfektionistisch zu sein und auch einmal etwas zu erstellen, das „nicht ganz glatt aussieht“ – um auf diese Weise erste Erfahrungen mit dem neuen Medium zu sammeln.

Die Frage, ob ein Medium zum Hype oder Flop wird, ist für ihn dabei häufig eine Frage des Timings. Vor drei Jahren war in Deutschland noch kaum jemand auf Snapchat. Durch die Einführung von Stories bietet die App nun aber eine neuartige Kommunikationsmöglichkeit, sodass sie inzwischen auch in Deutschland immer mehr User verbuchen kann. Ob dieser Trend anhält, ist ungewiss. Michael Hartung verweist dabei beispielhaft auf die App Pokémon Go, die zunächst einen regelrechten Hype auslöste: Die Nutzerzahlen explodierten innerhalb weniger Tage, flachten aber schnell wieder ab. Dennoch gilt die App als Erfolg. In Bezug auf Eingangsfrage „Hype oder Flop?“ gibt Michael Hartung daher mit auf den Weg: „Ich glaube nicht an einen Horizont von zehn Jahren. Ich glaube an einen Horizont von zwölf Monaten und meist ist nach einem halben Jahr schon alles anders.“

Dann sind wir gespannt, wie es mit Snapchat in einem halben Jahr aussieht!

Wir bleiben an dem Thema dran und werfen dazu eine Diskussionsfrage auf, die auch gerne in den Kommentaren diskutiert werden darf:

Welche (neuartige) Möglichkeit bietet Snapchat der PR im Vergleich zu anderen Kommunikationswegen?

Weitere Informationen zum Vortrag können hier eingesehen werden.

 

Kirchenbauer Alena 2 Biesinger Andreas 2Autoren: Alena Kirchenbauer und Andreas Biesinger sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und Sprecher der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.