Redaktion 4.0Könnte ein Veranstaltungsbericht wie dieser schon bald maschinell erstellt werden? Was unterscheidet „Roboterjournalisten“ von menschlichen Journalisten und PR-Schaffenden? Und wie können Mensch und Maschine in einem (Redaktions-)Team zusammenarbeiten?

Der zweite Vortrag der Ringvorlesung „Aktuelle Themen aus PR und Unternehmenskommunikation“ an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) am Dienstag, 25. Oktober, stand im Zeichen der automatisierten Content-Produktion. Frank Feulner, als Chief Visionary Officer zuständig für die Software-Entwicklung beim Stuttgarter Sprachtechnologie-Startup AX Semantics, stellte den automatisierten Texterstellungsprozess vor. Er zeigte auf, wie sich dadurch der Redaktionsalltag ändert, welche Vorbehalte damit einhergehen und welche Qualifikationen den menschlichen Journalisten und Kommunikationsmanager gegenüber dem „Kollegen Roboter“ auszeichnen.

Die künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt und hält bereits Einzug in die Berufsfelder Journalismus und PR. Als „Roboterjournalisten“ werden Algorithmen bezeichnet, die aus Datenbanken gespeiste Texte erstellen. Die automatisierte Textgenerierung (engl. Natural Language Generation) setzt zunächst einen Zugang zu einer Datenquelle voraus. In diesem Datenbestand werden die für den Text notwendigen Informationen bereitgestellt. Ein Regelwerk legt fest, nach welchen Strukturen und Gestaltungsrichtlinien der Text erstellt werden soll. Die Worte werden dann gemäß der grammatikalischen Regeln einer zuvor festgelegten Sprache zu einem Fließtext zusammengesetzt.

Automatisierte Content-Produktion erweitert Instrumentarium der PR

Auf diese Weise erstellen bereits einige Medienhäuser ihre Veranstaltungshinweise, Sportnachrichten, Wetterberichte und Börsennews. Die automatisierte Content-Produktion „erweitert auch das Instrumentarium der PR“, denn insbesondere bei der Erstellung individualisierter Inhalte, zum Beispiel beim Verfassen eines persönlichen Newsletters, kann das Kommunikationsmanagement von dieser Entwicklung profitieren. Dadurch ändert sich die Arbeitsweise in den Redaktionen und Kommunikationsabteilungen: In der Redaktion 4.0 ergänzen sich Mensch und Maschine. Die Vorteile maschinell erstellter Inhalte liegen in ihrer schnellen Verfügbarkeit. Algorithmen ermöglichen eine effiziente Verarbeitung großer Datenmengen. Gerade für standardisierte Textformen eignen sich daher Algorithmen, die anhand zuvor festgelegter Regeln Texte erstellen. Auf diese Weise bleibt den Redakteuren mehr Zeit für die Recherche großer Storys.

Redakteure und "Roboterjournalisten" teilen sich die Arbeit

Dass „Roboterjournalisten“ den Redakteuren ihren Platz in den Verlagen streitig machen, sieht Frank Feulner bisher noch nicht. Es werde zwar zu einer „Transformation des Berufsbildes“ kommen und maschinell erstellte Texte könnten künftig eine Art redaktionelle Vorstufe darstellen, die durch die Redakteure überarbeitet und um menschliche Einschätzungen, Meinungen und Erfahrungen angereichert werden. Dadurch könne jedoch ein sinnvoller Workflow entstehen, der die Fähigkeiten von Mensch und Maschine in der gemeinsamen Content-Produktion kombiniert. „Jeder hat sein eigenes Talent“, gibt er den Zuhörern mit auf den Weg. Die menschliche Kreativität und Intuition ist es, die Kommunikationsschaffende auszeichnet und die sie nun umso mehr in ihren Texten ausspielen dürfen.

Es bleibt also spannend, wie sich Text-Algorithmen künftig auf die Arbeit im Journalismus und in der PR auswirken.

Wir möchten das Thema als Diskussionsfrage aufgreifen, die auch gerne in den Kommentaren diskutiert werden darf:

Fluch oder Segen? Wie stehen Sie zur automatisierten Erstellung von Texten im Journalismus und in der PR?

Weitere Informationen zum Vortrag können hier eingesehen werden.

Kirchenbauer Alena 2Biesinger Andreas 2 Autoren: Alena Kirchenbauer und Andreas Biesinger sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und Sprecher der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.

 

 

 

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