Guter Boeser JournalismusWerden eigene Unternehmensmedien in Zukunft wichtiger als klassische Medienarbeit? Diese Frage diskutierten Kommunikationsexperten am 19. Oktober im Rahmen einer Podiumsdiskussion an der Universität Hohenheim. Master-Studierende des Seminars „Ausgewählte Aspekte des Managements der PR“ organisierten die Veranstaltung gemeinsam mit Dozent Klaus Spachmann vom Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und den Young Professionals-Vertretern der Baden-Württembergischen Landesgruppe der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG). Rund 50 Studierende der Universität Hohenheim und der Stuttgarter Hochschule der Medien sowie interessierte DPRG-Mitglieder folgten der Einladung ins Hohenheimer Schloss.

„Guter Journalismus, böser Journalismus?“ – Der moralisch aufgeladene Titel der Veranstaltung lud die Kommunikationsexperten zur Diskussion ein. Nach einem Impulsvortrag von Levke Kehl und Annika Zimmer mit einem Überblick zu den zentralen Ergebnissen der im Seminar durchgeführten Fallstudien baten die beiden Moderatoren Friederike Vees und Daniel Möller die Experten aufs Podium.

Das Publikum konnte sich via Twitter unter dem für die Veranstaltung angelegten Hashtag „kiho17“ an der Diskussion beteiligen und Fragen einbringen. Christian Schramml sammelte die eingegangenen Diskussionsbeiträge aus dem Publikum und streute immer wieder gepostete Beiträge aus dem Publikum in die Diskussion ein

„Der Gatekeeper ist ein für alle Mal tot“

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Das journalistische Handwerkszeug und die daraus resultierende Arbeitsweise spielen für Unternehmen eine zentrale Rolle – sowohl bei der Produktion eigener Medien als auch beim Kontakt mit Journalisten. Rainer Berghausen, Leiter der externen Unternehmenskommunikation der McKesson Europe AG, als ehemaliger Journalist weiß: Recherche, Neugier und die richtige Schreibe sind auch auf Unternehmensseite unverzichtbar. Klaus Spachmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim, ist der Meinung, dass journalistische Kompetenzen in der Unternehmenskommunikation immer wichtiger werden und Christian Dau, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter der Dau Kommunikation GmbH, hält es für unumgänglich, die Spielregeln des Journalismus zu kennen, um als Kommunikator in Unternehmen erfolgreich zu sein.

Christoph Hardt, Leiter Kommunikation des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., bringt es auf den Punkt: „Wer schreibt, der bleibt.“ Obwohl für ihn das journalistische Handwerkszeug für eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation von zentraler Bedeutung ist, prognostiziert er dem Journalismus eine weniger rosige Zukunft: „Der Gatekeeper ist ein für alle Mal tot.“ Auf der anderen Seite betont Berghausen die Relevanz von Journalisten für Unternehmen. Klassische Media Relations würden sich zu „Journalist Relations“ entwickeln, denn gute Beziehungen zu Journalisten werden für Unternehmen immer wichtiger.

Unternehmen zwischen Medienarbeit und Corporate Media

Dass Unternehmensmedien die klassische Medienarbeit oder sogar den Journalismus verdrängen könnten, glaubt Anne Guhlich, Ressortleiterin Wirtschaft bei der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten, nicht. Ganz im Gegenteil: Der Medienwandel könnte einen positiven Einfluss auf den Journalismus haben. „Die Entwicklungen zwingen den Journalismus dazu, sich auf seine Grundzüge zu besinnen und sind ein Ansporn, astreinen, objektiven Journalismus zu betreiben“, sagt sie. Journalismus heiße, Informationen für das Publikum zu filtern und investigativ tätig zu werden. Dau ist sich sicher: Unternehmen brauchen hauseigene Medien und den Journalismus. Eigene Medien seien vor allem für die interne Kommunikation nützlich. „Aber wenn die Hütte brennt, dann retten nicht die Unternehmensmedien, dann rettet nur der Journalist“, so der Kommunikationsexperte.

Das Fazit der Experten ist klar: Journalismus auf der einen und Unternehmensmedien auf der anderen Seite haben unterschiedliche Interessen und Aufgaben und stehen nicht in direkter Konkurrenz.

Autoren/Fotocredit: Studierende im Master-Studiengang Kommunikationsmanagement, Universität Hohenheim