Digital Leadership 2016 TitelWie gelingt Kommunikation im digitalen Zeitalter? Es ist keine Frage von „oben“ oder „unten“ – diese Erkenntnis nahmen die 80 Teilnehmer einer Veranstaltung am 3. März im Orangelab in Berlin mit. Wie kann „Digital Leadership“ künftig definiert und wie Mitarbeiter- und Führungskräftekommunikation gesteuert werden? Experten gaben Einblicke in eine neue Kommunikationskultur. Veranstalter waren die DPRG Landesgruppe Berlin/Brandenburg und die Agentur CB.e.

Der digitale Wandel lässt sich nicht delegieren

„Wo ist im Netzwerk oben?“ Franz Kühmayer hat ein paar Punkte gemalt, diese mit Strichen verbunden, es ist ein Netzwerk, eine wilde Gitternetzstruktur. Aber: Wo ist hier oben? „Nun, es gibt kein Oben“, sagt der Forscher vom Zukunftsinstitut aus Wien. „Netzwerke sind nicht hierarchisch aufgebaut.“ Im digitalen Wandel zählen Vernetzungen, nicht Hierarchien.

Und: Der digitale Wandel lässt sich nicht delegieren. Die Digitalisierung ist für Unternehmen keine Aufgabe, die sich quasi per Hauspost einer Abteilung zuordnen lässt. „Das macht bei uns die IT“, sei nach wie vor eine beliebte Ansage in Unternehmen, wenn es um digitale Transformation geht. Zukunftsforscher Franz Kühmayer sieht genau darin das Problem. „Die Verantwortung kann nicht nur bei einem CIO liegen“.

Die Digitalisierung betreffe nicht nur einzelne Abteilungen, sie wird ganze Strukturen komplett verändern. In Zeiten, in denen ein Zehn-Mann-Start-Up einen klassischen Industriezweig kapern und alteingesessene Firmen vom Markt fegen kann, wird man sich nicht mehr auf die Regeln und Mechanismen der Vergangenheit verlassen können. Viele Unternehmen denken aber noch zu sehr in Hierarchien, suchen nach dem Oben und riskieren, den digitalen Wandel zu verschlafen. Nach Ansicht der anwesenden Digital-Experten liegt der Schlüssel in der Kommunikation.

Kommunikation ist ein Treiber des digitalen Wandels

„Für CB.e ist die digitale Kommunikation ein entscheidender Treiber des digitalen Wandels“, sagt Sabine Clausecker, CB.e-Vorstand und stellvertretende Vorsitzende der DPRG Landesgruppe Berlin/Brandenburg. Nur wer auf dem Gebiet der Kommunikation konsequent umdenke, „bewirkt Veränderung und meistert den digitalen Wandel“.

Der Aufbau digitaler Kommunikation war auch das Thema von drei Panels. Die Organisationsberaterin Elisabeth Kurkowski erläuterte, wie sich Kommunikation in Unternehmen wandeln muss. Diethard Bühler von der Berlin Digital Group (BDG) legte einen Schwerpunkt auf die Instrumente für Kommunikation und stellte entscheidende Digital-Tools vor. Und Florian Bemm, Digital-Chef bei CB.e präsentierte das von CB.e entwickelte Kommunikations-Prinzip „Distance Teamplay“. Die drei Experten „pitchten“ um die Gunst der Zuhörer, bildeten drei Teams, um in anschließenden Co-Working-Sessions Digital-Ideen zu entwickeln.

„Marginalisieren Sie das Social-Media-Gedöns“

Zuvor wagte Zukunftsforscher Kühmayer eine Provokation. Er hatte zehn Ratschläge mitgebracht, die „Top 10: Wie Sie als Führungskraft um die Digitalisierung herum kommen“. Unter anderem „rät“ er Unternehmen: „Seien Sie ganz gelassen. Digitalisierung ist nur einer dieser Hypes, der von Medien aufgeblasen wird.“ Oder „Marginalisieren Sie das Social-Media-Gedöns“. Oder auch: „Haben Sie keine Ahnung von IT und seien Sie stolz darauf.“

In diesem Kleinhalten, Verdrängen, Ignorieren sieht der Wiener Forscher die größten Risiken im digitalen Wandel. Die Digitalisierung wird Arbeit, Produktionsprozesse und eben auch die Kommunikation disruptiv verändern und hat es bereits getan. Und wenn es im Netzwerk kein Oben gibt, zählen Verbindungen, „Freundschaften“ und „Follower“. „Der Einfluss in Netzwerken ist heute Ausdruck von Führungsstärke“, sagt Kühmayer.

WhatsApp als Richtungsanzeiger

Die Kommunikationskultur unterliege dabei neuen Regeln, die sich ständig ändern. Führung ist nicht Statisches mehr, Führungsrollen wechseln. Die Dynamik sei „rasend“, sagt Kühmayer und ahnt auch, weshalb viele Unternehmen noch zögerlich sind: „Viele CEOs befürchten vor allem einen Kontrollverlust“. Statt sich zu vergraben und zu hoffen, dass das alles vorüber geht, sollten sie sich dem Wandel stellen. Zeit ist nicht zu verlieren.

Kühmayer nennt das Beispiel WhatsApp. In kürzester Zeit hat der Kommunikationsanbieter WhatsApp den Messaging-Markt erobert, und die SMS mehr oder weniger abgelöst – und „das mit 55 Mitarbeitern“, sagt Kühmayer. Die globalen Telekommunikations-Anbieter haben für den SMS-Dienst gewaltige Infrastrukturen aufgebaut und beschäftigen Tausende von Mitarbeitern. Jetzt ist der SMS-Markt sozusagen über Nacht eingebrochen, und WhatsApp von Facebook gekauft worden. Und? „WhatsApp hat immer noch 55 Mitarbeiter.“ Globaler Marktführer mit 55 Mitarbeitern – das widerspricht sämtlichen ökonomischen „Gesetzen“ und „Erfahrungen“. Genau das scheint Wesen der Digitalisierung. Nichts bleibt wie es war. Alles hängt an den Daten – und an der Kommunikation.

In der digitalen Kommunikation Vertrauen schaffen

Wie kann in der digitalen Kommunikation Vertrauen geschaffen werden kann, wie können Arbeitsgruppen effektiv mit Skype arbeiten? Wie kann die Teilhabe an Veränderungsprozessen gelingen? Unter anderem um diese Fragen ging es in den abschließenden Panels. Vermisst wurde ein „universelles Kommunikations-Tool“. Einig waren sich die Teilnehmer, dass „Unplanbarkeit“ zur digitalen Transformation gehört und dass der Datenschutz nicht außer Acht gelassen werden kann. Und dass es schwer wird, die analoge Welt 1:1 in die digitale Welt zu übertragen. Das gilt für die Kommunikation, die Arbeit und vor allem auch für Hierarchien.

Autorin: Jessica Neumann, Marketing und Business Development bei CB.e

Hier sehen Sie einige Fotos von der Veranstaltung (Foto: Thomas Scharfstädt, Berlin):

 

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