pr ethik rat logoDer österreichische PR-Ethik-Rat hat den Wahlkampf zur österreichischen Nationalratswahl 2017 auf Verstöße gegen den Kodex für digitale Kommunikation analysiert. Das Resümee: mangelnde Absendertransparenz, Vernachlässigung der Verpflichtung zu fairer und respektvoller Kommunikation, mangelnde Einhaltung journalistischer Prinzipien sowie unzureichende Verantwortung bei Social Media-Auftritten, sowohl von Seiten der Arbeitgeber als auch teilweise bei der beteiligten Agentur beziehungsweise den beteiligten Umsetzern.

Mit dem Kodex „Ethik in der Digitalen Kommunikation“ hat der PR-Ethik-Rat im Herbst 2016 ein federführendes Regelwerk für die Praxis erstellt. Anhand der darin definierten Themenfelder hat das Gremium den kürzlich zu Ende gegangenen Wahlkampf quer durch alle Parteien nach seiner ethischen Kommunikation analysiert.

Fehlende Absender-Transparenz im Wahlkampf

Wesentliche Fehltritte im Wahlkampf ortete der PR-Ethik-Rat in der fehlenden Absender-Transparenz. Etliche Parteien ließen die BürgerInnen im Unklaren, wer hinter bestimmten Social Media-Auftritten steckt. Maßgebliche Verstöße verortete das Gremium vor allem bei bestimmten Facebook-Seiten, deren Ziel die Verunglimpfung des politischen Mitbewerbers war. Nicht nur aufgrund des fehlenden Impressums war der Absender nicht erkennbar. Der Verstoß wiegt vor allem deshalb schwer, da laut Online-Kodex Absender-Transparenz auch für Einträge gilt, die im Auftrag Dritter durchgeführt werden.

Einen weiteren Verstoß sieht der PR-Ethik-Rat im verstärkten Auftauchen von Fake-Accounts auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Diese Accounts sind automatisiert angelegt, um den Anschein der Reichweite beziehungsweise Relevanz auf Twitter für die jeweiligen Partei-Botschaften zu erzielen.

Faire und respektvolle Kommunikation

Ebenso vermisste der PR-Ethik-Rat einen respektvollen Umgang im Online-Wahlkampf. Diffamierungen und Diskriminierungen wurden nicht nur auf den offiziellen Kanälen verübt. Zusätzlich leisteten sich MitarbeiterInnen und FunktionärInnen Entgleisungen auf den persönlichen öffentlichen Kanälen. Eine entscheidende Rolle spielten hier auch Social Media-Kanäle, deren Absender nicht ersichtlich war.

Verantwortung für Social Media-Auftritte

Weiterhin konstatiert der PR-Ethik-Rat einen relativ sorglosen Umgang mit der Kommunikationsverantwortung der eigenen Social Media-Plattformen. Bei einigen Partei-Auftritten fehlten eine verantwortungsvolle Moderation und die Durchsetzung ihrer Kommunikationsleitlinien. Ebenso tragen die Parteien Mitverantwortung für die respektlose Kommunikation auf persönlichen öffentlichen Kanälen von vereinzelten Parteiangehörigen.

Gemeinsame Verantwortung von Auftraggeber und Agentur

Laut Online-Kodex tragen Auftraggeber und Agentur gleichermaßen Verantwortung. Der PR-Ethik-Rat sah hier erhebliche Verstöße und rügt vor allem die namentliche Nennung einzelner MitarbeiterInnen.

Der PR-Ethik-Rat hält fest, dass es nicht zulässig ist, die Verantwortung für Täuschungsversuche in der Online-Kommunikation in Richtung der AuftragnehmerInnen zu verschieben.

Verstöße bei Einhaltung journalistischer Grundprinzipien

Auch redaktionell gestaltete Online-Inhalte auf eigenen Kommunikations-Kanälen unterliegen der Einhaltung journalistischer Prinzipien. Vor allem in den magazinartigen Online-Medien der Parteien mangelte es an gewissenhafter Recherche. Ebenso war es für RezipientInnen oft nicht erkennbar, ob die veröffentlichte Information ein Tatsachenbericht oder eine veröffentlichte Meinung widerspiegelt.