Kirchenbauer Alena 3Haltung in der Kommunikation – ein Thema, das die Branche bewegt. Beim DPRG Takeoff am 25. Januar 2019 mit dem Dachthema „Kommunikation braucht Haltung“ warten drei Keynotes und verschiedene Sessions auf die Teilnehmer. Und wie denken PR-Einsteiger über das Thema? Auf dem PR Report Camp im November präsentierte der aktuelle #30u30-Jahrgang, wie sich Haltung in der Kommunikation ausdrückt. Mit der Wettbewerbsaufgabe wurden die Young Professionals herausgefordert, anhand einer Analyse und Recherche den Haltungsbegriff zu reflektieren und für sich zu definieren.

Haltung, Mut und Werte sind derzeit in der Kommunikationsbranche häufig anzutreffende Forderungen an die Kommunikation und speziell an die Kommunikatoren. Zum DPRG-Jahresauftakt laden die Organisatoren Kommunikationsprofis mit dem Leitsatz „Kommunikation braucht Haltung“ ein. Auch bei den PR Report Awards am 13. November in Berlin drehte sich nicht nur die Keynote von Gabriele Hässig, Leiterin Kommunikation bei Procter & Gamble, am Abend um den Haltungsbegriff. Einige Stunden zuvor während des PR Report Camps präsentierte der diesjährige #30u30-Jahrgang, wie Haltung in der Kommunikation zu verstehen ist und vor allem, wie man als Kommunikator zu Haltung in der Kommunikation gelangen kann. Ihre Aufgabe war es, den Weg zu Haltung in der Kommunikation nachzuzeichnen und aufzuzeigen, woran sie Haltung in der Kommunikation festmachen. Auf Basis von Gesprächen und Diskussionen mit Sparringspartnern innerhalb und außerhalb der Branche präsentierten die Nachwuchstalente in Teams ihre Überlegungen und Ansätze zu Haltung in der Kommunikation.

Dabei waren die präsentierten Analysen, Handlungsempfehlungen und Verständnisse von Haltung in der Kommunikation so vielseitig wie die Aufgabenstellung bereits vermuten ließ. Denn: Haltung in der Kommunikation ist vielschichtig und kann an ganz unterschiedlichen Dimensionen im Kommunikationsprozess ansetzen.

Den Kommunikator im Blick

Zunächst kann Haltung ganz konkret am Kommunikator, an seiner Persönlichkeit und seinem Auftreten, festgemacht werden. Wie handelt er und anhand welcher Eigenschaften drückt er sich aus? Wahrhaftigkeit, Transparenz und Fairness sind Attribute, die in diesem Zusammenhang häufig fallen (Altpeter & Praetorius; Dehn & Storch; Seusing & Lenzke). Mit hinein spielen die grundsätzliche Einstellung der Kommunikatoren, die sich durch den Beruf trägt (Kindermann & Ahrens) wie auch die Einsicht, dass Kommunikatoren selbst vor Fehlern nicht gefeit sind (Molling & Juhl). Abgeleitet wird die Haltung des einzelnen Kommunikators von seinem individuellen Wertesystem (Lutermann).

Beziehungen und Abhängigkeitsverhältnisse als Aufhänger

Kompliziert wird es hingegen, wenn Kommunikatoren nicht als alleinige Sprecher, sondern im Team auftreten. Es geht dann nicht mehr nur um die individuelle Haltung, sondern darum, wie die Bereiche Unternehmenskommunikation eine Haltung entwickeln. Schwierig wird es insbesondere, von Unternehmen als kollektive Akteure Haltung einzufordern, weil diese stets an Menschen geknüpft ist (Jensen & ElBarkani; Stork & Langhans). Auch konkret an der Beziehung zwischen Kommunikatoren und Journalisten (Hein & Feuser; Kiani & Lovric; Ünsal & Cerami) kann die Haltung der Bereiche Unternehmenskommunikation veranschaulicht werden. Hier kommen Verhaltensweisen und Zugeständnisse innerhalb der Beziehung zum Tragen.

Dem Stakeholder zugewandt

Nicht nur an der Stakeholdergruppe der Journalisten, sondern ganz grundsätzlich an den Kommunikationspartnern orientieren – auch so kann sich eine Haltung der Kommunikatoren ausdrücken. Sie nehmen eine den Stakeholdern zugewandte und offenen Einstellung ein und sind insbesondere an ihren in die Kommunikation eingebrachten Themen interessiert. Dann geht es darum, eine Vielfalt an Meinungen zuzulassen (Fischer & Weltz) und die Gesellschaft zu mehr Mündigkeit zu befähigen (Erdmeier & Gille). Ganz grundsätzlich betrachtet ist es die Einsicht der Kommunikatoren, dass sie Kommunikationspartnern gegenübersitzen, die Interessen, Wünsche und Gefühle ansprechen. Ihnen schenken sie ihre Aufmerksamkeit, wenn alle versuchen, ihre Botschaften zu platzieren, und nehmen damit den Stakeholdern gegenüber eine wertschätzende Haltung ein (Kirchenbauer & Laubenbacher). Denn Kommunikatoren begreifen ihre Rolle nur dann ganzheitlich und agieren ausgewogen in der Kommunikation, wenn sie eben nicht nur über das Reden reden, sondern sich auch im Zuhören üben.

Fazit: Für mehr Menschlichkeit und Moral in der Kommunikation

Die präsentierten Ansätze zeigen, dass Haltung ganz unterschiedliche Ansatzpunkte zulässt – den Blickwinkel der Kommunikatoren und der Stakeholder. Was kann insgesamt festgehalten werden? Haltung drückt sich aus durch Glaubwürdigkeit beim Sprechen und Wertschätzung des Kommunikationspartners durch Zuhören. Erst wenn Sprechen und Zuhören zusammenkommen und diese beiden Kommunikationsprozesse sich gegenseitig ergänzen und abwechseln, ist auch die Haltung der Kommunikatoren im Gleichgewicht, ohne dass eine der beiden Kommunikationsstränge die Überhand gewinnt.

Haltung in der Kommunikation 2018Abbildung: Die Balance finden zwischen Sprechen und Zuhören © Alena Kirchenbauer

Die Vorschläge der #30u30-Teams eint, dass sich ihre Ansätze an den am Kommunikationsprozess Beteiligten orientieren. Haltung ist etwas Menschliches und etwas, das Menschen ganz grundsätzlich von Maschinen unterscheidet. Letztere können sich nicht die Frage ethischer Verantwortlichkeit stellen oder moralische Entscheidungen treffen. Deshalb ist es gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz, Automatisierung, Filterblasen und Algorithmen mehr denn je an der Zeit, die zwischenmenschliche Kommunikation nicht aus den Augen zu verlieren. Nur Menschen können in der Kommunikation Haltung und Mut beweisen.

Autorin: Alena Kirchenbauer (Foto) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim. Sie ist Sprecherin (zusammen mit Andreas Biesinger) der Young Professionals der DPRG Landesgruppe Baden-Württemberg.