YP Sachsen Flüchtlingshilfe 2016Michael Pohlingk, Mitbegründer des „Gastfreunde Dresden e. V.", berichtete den DPRG-Junioren der Landesgruppe Sachsen und Gästen am 21. Januar 2016 (Foto), wie aus einer „Stammtischidee“ innerhalb eines Jahres ein gut vernetzter Flüchtlingshilfe-Verein mit über 70 Mitgliedern und professioneller Öffentlichkeitsarbeit wurde.

Die „Gastfreunde Dresden“ helfen Flüchtlingen ganz praktisch dabei, sich in der Stadt zurechtzufinden: Der Verein mietet Wohnungen an und richtet diese mit Sachspenden ein. Er begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen, unterstützt beim Deutsch lernen und initiiert Begegnungen.

Gründungsaufruf per E-Mail

Alles begann im Dezember 2014 mit einem spontanen Aufruf per E-Mail. Wenige Wochen später engagierten sich bereits mehr als 60 Personen in der Initiative. Bald darauf wurde der „Gastfreunde Dresden e. V." gegründet – auch weil ein Verein nach außen mehr Neutralität und Glaubwürdigkeit ausstrahlt als eine Gruppe von Privatpersonen.

Kommunikationsregeln zum Schutz der Flüchtlinge

Für die professionelle Kommunikation nach außen wurden ein Logo entwickelt, Briefpapier und Blanko-Visitenkarten erstellt, eine Webseite aufgebaut. Kommunikationsregeln definieren den Umgang mit Behörden, Vermietern, Spendern und Medien. Dazu gehört auch die Regel, zum Schutz der Bewohner niemals die Adresse oder Bilder der Wohnungen zu publizieren. Ein internes Wiki sichert das Wissensmanagement im Verein. Mit zunehmender Diversifizierung der Aufgaben wurden Arbeitsgruppen gegründet.

Medienarbeit in einer polarisierten öffentlichen Debatte

Eine eigene Presse-Gruppe bearbeitet Medienanfragen. Die stark polarisierte Flüchtlingsdebatte hat die „Gastfreunde“ – aber auch andere NGOs – sehr vorsichtig im Umgang mit Medien gemacht. Zu groß ist die Angst, in einer tendenziösen Berichterstattung vereinnahmt zu werden. Auch wollen die Flüchtlingshelfer nicht zu stark als Personen in die Öffentlichkeit rücken. Denn Online-Anfeindung und sogar tätliche Übergriffe auf Helfer nahmen in letzter Zeit zu.

Die Webseite als Anlaufpunkt

Die Öffentlichkeitsarbeit konzentriert sich daher auf die Webseite als „Online-Visitenkarte für Spender und Vermieter“ sowie auf die Vernetzung mit anderen Initiativen. Die „Gastfreunde“ organisieren Infoveranstaltungen und berichten anderen Engagierten über ihre Erfahrungen.

„Wir wollen andere Menschen animieren, uns nachzuahmen. Es gibt bereits einige lokale Initiativen in Dresden und Umland, die unsere Idee weitertragen“, erklärt Michael Pohlingk. Die persönliche Kommunikation mit Vermietern, Behörden und Initiativen ist die zentrale Kommunikationsform. Um Spenden einzuwerben, werden Aufrufe über Mailinglisten und über eigene Netzwerke verteilt. Interne E-Mails informieren die Vereinsmitglieder über den Stand der Projekte und diskutieren die zukünftige Strategie.

Unser Fazit: Die tiefen Einblicke in die Arbeit der „Gastfreunde Dresden“ und die intensive Diskussion mit den anwesenden NGOs haben die Veranstaltung für uns zu einem großen Erfolg gemacht. Dennoch hätten wir uns für dieses Thema eine größere Resonanz gewünscht.

Annika Ballin, Fraunhofer IKTS, Public Relations/Events & Conferences, Dresden
Stellvertretende Vorsitzende im DPRG-Landesvorstand Sachsen und Mitglied im DPRG-Hauptausschuss

- Bitte beachten Sie auch das Interview mit Annika Ballin zur Veranstaltung -